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 Betreff des Beitrags: Heimweg
BeitragVerfasst: Do 5. Aug 2010, 20:38 
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Langsam schob sich die weiße Scheibe Richtung Ende über den Himmel und tauchte die Welt unter ihr in sanftes, fliederfarbenes Licht. Es war eine der seltenen Nächte, welche heller erschienen, in denen man das Gefühl hatte, der Mond suche jemanden auf der Erde. Ein leichter Nebelschleier bedeckten den kalten Boden und einige Nachtvögel zogen ihre Bahnen in weiter Ferne. Wie ein dunkler Schatten glitt sie durch die schlafende Landschaft, doch sie hatte keinen Blick für die sich darbietende Frühlingsnacht übrig. Kalte Luft fuhr ihr in die Lungen und jeder Atemzug beförderte ein wenig von ihrer Körperwärme nach außen. Ihr Körper genoss die belebende Wirkung und ihr Kopf wurde mit jedem Schritt klarer.

Sie hatte es schon wieder nicht angesprochen. Die Sicht verschwimmt, wenn sie nicht mehr present ist, für Dinge, die einen nicht mehr belästigen.

Einige Momente glitt ihr Blick zurück zu dem nur schwach beleuchteten Haus. Sie könnte wieder umkehren und es hinter sich bringen. Sicher würde die Dienerin ihr diesmal eine Antwort geben. Nur ob jene Antwort ausreichend währe?

Velnoik riss sie jedoch mit seinem heissen, leicht fauligen Atem wieder zurück aus den Gedanken.

„Ori'gato ol tlu.“

Sie schlug unsanft den Kopf der Echse zur Seite, welche mit einem leisem, quickenden Geräusch ihren Unmut kund tat. Es fehlte noch das das Vieh seinen Speichel auf ihrer Kleidung verteilte oder gar meinte die Zunge über ihre Haut zu führen.
Der Wind streichelte sanft ihr Gesicht, als wollte er ihr sie liebkosen und für das entschädigen, was die Echse angestellt hatte. Sie setzte ihren Weg fort, langsam wieder zu ihren Gedanken zurück findend.

Sie war nicht vollständig gewesen, was ihre langfristigen Ziele anging. Doch das gleiche vermutete sie auch von ihrer Dienerin. Informationen waren nie vollständig, selbst wenn man sich bemühte, es blieben immer Unbekannte, offene Fragen, Dinge die man nicht berücksichtigen oder wissen konnte. Was sie wohl vor hatte?

Die Helligkeit des Mondes verschwand, als sie die Stufen in die Tiefe erreichte. Die Laute der Tierwelt entfernten sich und vereinzelt nahm das ein oder andere Tropfen der Ferne diesen unausgefüllten Platz für sich in Anspruch. Die Luft wurde zunehmend schwerer und älter, heimischer und vertraut.
Einigen hätte diese vollkommene Dunkelheit Angst bereitet. Angst die Orientierung zu verliehren, Angst einen Gegner nicht wahr zu nehmen, Angst alleine zu sein oder zu stolpern. Doch sie kannte jeden Stein, jede geformte Struktur, jedes Spinnennetz mit seiner Besitzerin und jedes Moos hier unten. Nicht weil sie dem ganzen eine besondere Aufmerksamkeit hätte zukommen lassen, nein, sie war diesen Weg nur schon tausendmal gegangen, den Weg nach Hause.

Je näher, desto gefährlicher wird es, nicht?

„Khaless zhah natha keeshe wun l'rah d'foluss dkinoss!“ Entwich es ihren Lippen lautlos und ein verträumtes Schmunzeln kehrte ein. So war es schon immer und so wird es immer sein. Eine erhebliche Gefahr, bei der, wenn man sich für sie entscheidet, man mit jeder Konsequenz permanent rechnen musste. Die Emotionen daran fühlten sich blass an, alt und unwirklich, aber es hatet sie gegeben und es gab sie immernoch. Eine tötliche Sucht. Selbst wenn man es vortäuschte, so musste man ein Stück weit in diese Gefährdung eintauchen. Der Gedanke der eigenen Überlegenheit mochte helfen sich vorzumachen, man sei für alles bereit und könnte jeder Falle entkommen. Doch wer bereits weiß, dass jede Information lückenhaft ist, weiß auch, dass er bereits in dem Spiel sein Leben verliehren kann.

Sie übergab die Echse an Yakardirr und befahl ein Gespräch mit der Hohepriesterin zu erbeten. Wenigstens eines der vielen unbearbeiteten Dinge wollte sie noch heute in Angriff nehmen. Die Liste wurde ja nicht kürzer. Dann schloss sich die schwarze, schwere Türe hinter ihr.

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