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 Betreff des Beitrags: Tod (Teil I)
BeitragVerfasst: Mi 21. Okt 2009, 17:06 
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Registriert: Do 15. Jan 2009, 11:49
Beiträge: 33
Svirivyl blickte auf in die endlosen Weiten dieses toten Raums, dieser toten endlosen Ebene.

Tot?
Wohl nur dem ersten Anschein nach.


Riesige Strukturen ragten ins Nichts.
Steine, so alt wie die Zeit selbst, verwaschen, mit tiefen Furchen, von den Jahrtausenden durch winzigste Reibungen eingemeißelt.
Auf ihnen war eine sonderbar feste Schicht aus Spinnenweben, geronnenem Blut und Dinge die man nicht näher untersuchen mochte.
Der Wind spielte mit ihren silber-weißen, langen Haaren und ließ jene in einen wilden Tanz, hinter ihr durch die Luft springen.

Luft?

Was immer in dieser Welt diesen Namen trug, spottete jener Bezeichnung.
Jeder Atemzug verstärkte das Brennen ihrer Lunge und peinigte sie der Schwäche, der Abhängigkeit.
Die hohe Luftfeuchtigkeit schien sich mit Asche zu einer Säure verbunden zu haben.
Lediglich die Spinnenseide, die überall zu sein schien, am Boden, an ihrem Körper, in der Luft,
ließ das Brennen dann und wann etwas abklingen.
Trotzdem gestattete die Drow ihrem Körper keine Regung, kein Zeichen.
Sie selbst erzeugte ein unwirkliches Bild in dieser Kulisse, gerade zu rein, elegant und von einer Schönheit gezeichnet,
die dieser Landschaft im Kontrast Widerstand bot. Doch sie selber fühlte keinen Widerstand.
Es fühlte sich an als sei sie zu Hause, als sei sie ein Teil hiervon.

„Orn udos ph' aluin pholor, Ilhar?“
Wollen wir weitergehen, Mutter?

Der Satz stach in ihr Herz wie eine glühende Nadel. Süß und peinigend zugleich. Die Stimme war jene ihrer Tochter Ll’ianar.

Kann das sein? Ll’ianar?

Sie hatte ihre Tochter nach eigenem Gefühl ewig nicht gesehen.

Sie sollte verschollen sein.
Tot?
Wohl nur soweit wie der Anschein hier


Sie drehte sich zu der Tochter um. Ein ebenso bizzarer wie anmutender Anblick bot sich ihr.
Die Tochter war eine Frau geworden. Erhaben in ihrer Schönheit wie sie selber.
Die weiblichen Formen waren gerundet und wurden nur spärlich durch die schwarze, leichte ledernde Rüstung bedeckt,
welche jenen Namen nicht verdiente. Ein schwaches magisches Leuchten war auf jener zu erkennen.
Mit Sicherheit ein verstärkender Effekt, der das leichte Leder zu einem Panzer werden ließ. Das Gesicht zeigte keine Spur des Alters,
doch die Augen verrieten eine Reife, die Svirivyl in ihr nie gekannt hatte.
Das lange Haar streifte ihr Gesicht im Wind und das Priesterliche Amulett verzierte ihr Dekoltee.
Unweigerlich griff sie selber zu ihrem Hals.
Da war sie wieder die geweihte Kette Lloth. Ihre Finger tasteten nach den magischen Symbolen. Der Anhänger war reich verzieht.
Svirivyl hatte es abgelegt, als sie beschloß den Weg der Priesterschaft erneut zu gehen und es dem Stand nicht mehr entsprach.
Befremdlich und doch vertraut. Sie blickte hinab.
Es erstrahlte noch im selben deutlichen Blauton wie damals.

„Xas Ll’ianar“
Ja Ll’ianar

Svirivyl wußte nicht wo lang und auch nicht wohin. Ihr Gedächtnis sagte ihr nicht was sie hier wollte, wie sie her kam.
Lediglich das Gefühl einer warmen Umarmung zeigte ihr an, das es richtig war.
Sie beschloß geradeaus zu gehen.
Keine einladende Landschaft und was immer vor ihr liegen würde, bevorzugte es vermutlich diese Reise unnötig zu erschweren.
Doch da war etwas, das ihre Aufmerksamkeit erregt hatte.
Ein Spiel der Farben, das dem normalen Betrachter in dieser endlosen Dunkelheit wohl verwehrt geblieben wäre, lag vor ihnen.
Die Gespinste waren in jeder erdenklichen Form und Größe und schimmerten in einem zerbrechlich wirkenden Glanz bis zum Horizont.
Von ihr aus ging ein schwaches rotes Leuchten bis zum Anfang eines gewaltigen Tores.
Svirivyl war sich nicht sicher ob ihre Begleiterin dies ebenfalls sah.
Deutlich wie ein endloser Sicherungsfaden war es, doch ihre Hand glitt einfach hindurch.


Ein Teil eines riesigen Netzes?


Der Weg führte sie vorbei an tiefe Krater, teilweise waren sie mit rotbrauner Erde gefüllt.
Viele Höhlen säumten ihren Weg, unzählige so dünn wie ein Finger, einige groß wie ein Haus,
andere hätten die Eingänge zu Städten sein können.
Die Ebene wurde lauter mit der Zeit, oder wurde Svirivyl nur immer mehr der Geräusche bewußt?
Der Wind surrte, überall schien es zu Klackern, zu Scharren, die Laute vereinten sich zu einem bedrohlichen Trommeln.
Vereinzelt huschten Spinnen vor ihren Füssen davon. Teilweise so winzig das man sie kaum sah.
Anderen mußte man aus dem Weg gehen. Die kleinen Tiere schienen überall zu sein, auf dem Boden, in der Luft, auf den Drow.
Sie krabbelten über ihre Hände, Beine, Gesichter und in ihren Haaren herum.
Keine der beiden Frauen machte Anstallten dies zu ändern.
Svirivyl genoß die Umarmung der Kinder Lloth und es beruhigte sie, das kleine vertraute Getrappel an ihrem Ohr zu hören,
statt des drohenden Trommelns der unendlichen Weite.
Einige hatten Netze gesponnen, andere hockten in ihrem Bau auf der Lauer.
Zwischen den Steinen saßen Spinnen, die so groß waren wie ein Hund, in noch größeren Netzen.
Ihre Körper wirkten prall und träge, trotzdem versprühten die Tiere den Geruch von Gefahr,
eine unterschwellige Eleganz und die Perfektion eines Jägers.
Ihre Beißwerkzeuge hätten mühelos die Hand eines Angreifers durchtrennt.
Svirivyl konnte nicht anders als diese Tiere still zu bewundern.

Du hast keine Zeit auszuruhen

Irgendwas trieb sie voran, verlassen von der Zeit und einem körperlichen Gefühl.

Ll’ianar folgte ihrer Mutter. Sie wußte nicht wo lang und auch nicht wohin,
sie wußte nicht einmal wie sie hier her gekommen war.
Plötzlich nach all den Jahren fand sie sich hinter ihr in dieser Einöde wieder.
In dieser Hölle.

Was hat die Ilharess sich dabei gedacht? Sie hat mich alleine gelassen damals.
Ich habe das Haus so gut es ging geführt und bin eine erwachsene Frau geworden, eine Priesterin Lloth.
Sie hat kein Recht mich so plötzlich aus meinem Leben zu reißen und mir dieses Gefühl zurück zu geben.


Obwohl Svirivyl kein Wort sagte, so fühlte sich Ll’ianar klein hinter ihr, unbedeutend und schwach.
Zurück versetzt in alte Zeiten, als sie Angst vor der Mutter hatte und einfach nur versuchte ihr zu gefallen und zu überleben.
Ein Gefühl das Jahre lang geschwiegen hatte. Jahre in denen sie dachte sie sei tot.

Tot.
Tot wie dieser Raum, diese Ebene
Vielleicht bin ich das auch und sie holt mich nun nur ab um in das Reich Lloth zu kehren?


Ll’ianar vermied es diese Frage auszusprechen, die Antwort würde ihr noch früh genug gegeben werden.
Ihre Haut brannte und die Luft biß bei jedem Atemzug mehr und mehr.
Doch da die Mutter keine Anzeichen zeigte und durch die Landschaft trat, als sei sie hier zu Hause,
vermied auch die Tochter ihrem Körper zu gestatten, sie zu verraten.

Vor dem Tor kamen beide zum stehen. Die Felsen ragten bis weit in den schwarzen Himmel hinein und glichen
von der Struktur und Anordnung her riesigen Spinnenbeinen.
Als sei Lloth selber zu Stein erstarrt und habe einen einzigen Weg als Tor gelassen.
Einige Zeit lies Ll’ianar die Größe auf sich wirken, was ihr Gefühl unbedeutend zu sein noch verstärkte.
Dann erblickte sie die dunkelroten sanft leuchtenden Augen ihrer Mutter die auf ihr ruhten. Auch diesen Blick kannte sie.
Unwirklich und weit weg, aber die Mutter benutzte ihn um ihr Mut zu schenken, Aufmunterung.
Kurzzeitig war der Groll und Hass bei Seite geschoben und es verlangte ihr danach die Hand der Mutter zu ergreifen.
Wie sie es früher so oft getan hatte, etwa nach einem schmerzhaften Scheitern.
Doch sie beherrschte sich, sie war kein kleines Kind mehr.

Svirivyl las in dem Körper der Tochter wie aus einem offenem Buch.
Ein sanftes, verständnisvolles Lächeln bevor sie sich umdrehte und in die Schlucht eintrat.
Ll’ianar hatte ehr den Eindruck als ob man in das Maul eines Ungetüms schritt oder durch ein Tor in den Tod.
Ihre Kehle fühlte sich trocken an, schnürte sich zu und sie schluckte.
Erst als die Mutter nach einigen Metern stehen blieb um zu warten, konnte sie ihrem Körper befehlen ihr weiterhin zu folgen...

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