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 Betreff des Beitrags: Schattengebet – Lloths Gabe -VI-
BeitragVerfasst: Mi 18. Mär 2009, 20:35 
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Registriert: Sa 7. Feb 2009, 20:38
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Nervös führte sie ihre Hand in die linke Hosentasche.
Erleichterung machte sich breit.
Es war noch da.
Fehler durften nicht passieren. Auch dann nicht, wenn Unvorhergesehenes passierte.

Eiligen Schrittes setzte sie ihren Weg fort.
Nach einer Weile ohne weitere Zwischenfälle war sie allerdings gezwungen, sich wieder auf den Straßenweg zu begeben - sie hatte es nach der Begegnung mit den beiden Trunkenbolden vorgezogen, im Schatten der Bäume zu wandeln.
Yizzrin zog einen kleinen, reich verzierten Handspiegel hervor und kontrollierte ihr Äußeres. Die Maskerade hielt. Ihre sich allmählich schließenden Pupillen wären der einzige Anhaltspunkt, um auf ihre wahre Herkunft Rückschlüsse zu ziehen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, doch kündigte sie sich bereits durch eine hellere Färbung des Nachthimmels an.
Der Weg führte über eine hölzerne Brücke, hinter welcher bereits weitere Wohnhäuser auf sie warteten. Die Rivvin mussten noch schlafen, da keinerlei Licht durch die gardinenbehangenen Glasfenster schien. Es wäre auch eine unübliche Zeit für Aktivitäten dieses faulen Packs gewesen.
So schritt sie in normalen Tempo zwischen den Häusern entlang. Würde sie beobachtet werden, dann sollte derjenige sie als wenig besorgniserregende Nachtwanderin im Gedächtnis behalten – am besten aber in die Kategorie „keinen Klatsch und Tratsch wert“ schieben.

Vesper müsste nun schon weiter hinter ihr liegen.
Sie behielt ihr unauffälliges Tempo bei und steuerte einige Zeit den Weg weiter entlang. Doch schließlich bot sich ihr die Möglichkeit in den Tiefen des Waldes zu entschwinden.
Kaum den Wald betreten, beschleunigte sich ihr Atem und ihre Schritte wurden vorsichtiger. Raubkatzenähnlich schlich sie durch das strauchige Dickicht. Sie spürte, dass dieser Wald sie nicht willkommen hieß. Und sie wusste nur zu genau, in was für einem Waldgebiet sie sich befand. Zwar kannte sie es bisher nur aus Erzählungen, doch reichten die detailreichen Informationen soweit aus, dass sie es wieder erkannte. Und selbst wenn nicht – das Gefühl, welches sich in ihr ausgebreitet hatte, als sie ihn betrat, hätte ausgereicht, um sich sicher zu sein.
Ein unbehaglicher Schauer durchzog den makellosen Körper der Dienerin Lloths.
Doch sie streifte das Ekelgefühl von sich ab und fokussierte ihre Gedanken wieder auf das Wesentliche.
Sie wusste nicht genau weshalb, doch schon seit einigen Wochenläufen war dieses Waldgebiet ihr Ziel. Auch wenn es nur die äußerste Waldgrenze war. Ein zu tiefes, leichtsinniges Vordringen hätte ihren Tod bedeuten können. Und was nutzte sie der Quarval’sharess als leblose Hülle?

Sie hielt zaghaft inne. Ihr Blicke kreisten die Umgebung ab. Eine Eule hatte offensichtlich in der Nähe ihr Nest gefunden und gab der nächtlichen Umgebung nun ihre tierischen Laute preis.
Sonst konnte sie nichts erblicken. Ihre natürliche Nachtsicht verhalf ihr dazu noch Hunderte Meter weit blicken zu können, soweit die Konstellation der Bäume es denn zuließ.
Doch ihr war klar, dass ihre heimtückischen, damaligen Artverwandten auch diesen Teil des Waldes sicher schon als ihr Gebiet deklarierten. Gierige, trügerische Kreaturen waren sie – die Darthiir.

Doch Yizzrin hatte das Gefühl, es würde der Situation nur helfen, wenn sie ihr Vorhaben hier vollendete.
Sollte es nur dazu dienen, ihrer Göttin ihre Kraft, ihr Geschick und ihren Glauben zu beweisen.

Behutsam griff sie in ihre linke Tasche, führte ihre Finger an der kalten Oberfläche des Amuletts entlang. Der eingefasste weiße Stein strahlte eine kühle Präsenz von sich ab. Sie nahm den Halsschmuck schließlich aus der Tasche und begab sich in eine kniende Position.
Sie musste sich eilen.
Mit der anderen Hand zog sie behände den Dolch, welcher noch immer einige geronnene, blutige Stellen der Opfer Lloths aufwies.
Beides legte sie sachte vor sich auf die Erde und lies ihren wachsamen, misstrauischen Blick noch einmal kreisen.

Ein letzter, tiefer Atemzug.
Und sie setzte zu einem Flüstern an. Ihre Stimme erfüllte die direkte Umgebung lediglich mit einem Säuseln, kaum zu unterscheiden von den gewöhnlichen Geräuschen, die der Wind bei seinem Spiel mit dem Wald erzeugte.


„Quar'valsharess.
Lor a dosst Myrlochar.
Lu'oh il sinairen. Sinairen ulu doer veir ulu dos. Sinairen ulu xun vel'bol dos ssinssrin ilta ulu xun.
Lor a ilta velnarinen. A ilta shar. A ilta khel. A ilta sarol lu' ilta ky'ostal.
Jous areion nindol keeshe - ol uriu l' vlos d' dosst ogglinnar pholor ol.
Jous areion nindol ilinsar - ol zhah kr'athin whol dosst yorn.
Quarval'sharess.
Morfeth nindolen klezn mzild gareth, ori'gato mina inbau l' zhaunil d' dosst xal.
Ji nind alu xuil dosst Myrlochar pholor ilta menvis.
Lloth tlu malla.“

Sie schloss für wenige Sekunden die Augen. Ihr Herz raste. Sie musste gegen ein Gefühl des Schwindels ankämpfen, um nicht den Halt zu verlieren.
Abrupt riss sie die Augen auf.
Die Zeit drängte – sie war hier nicht erwünscht.

Ohne einen weiteren Blick auf die Gegenstände zu richten, griff sie nach beiden und führte sie wieder ihren vorherigen Plätzen zu.
Eilig richtete sie sich auf. Ihre eisblauen Augen suchten die Umgebung ab.
Die Gunst der Dunkelheiten nutzend, schickte sie sich an, ihren Rückweg anzutreten. Jedes Rascheln, jeder lautere Windzug lies sie innerlich fluchen.
Sie musste eilen, doch keinen Fehler durch zu fahriges Handeln begehen.

Nach einigen Augenblicken erreichte sie wieder die Straße. Sie vergewisserte sich, ob sich jemand bereits aus seinem verschlafenen Nest gewagt hatte und setzte ihren nun etwas eiligeren Gang fort, nachdem sie niemanden erblicken konnte.
Der Himmel nahm immer mehr eine hellere Färbung an und man konnte die zaghaften Sonnenstrahlen bereits erahnen.

Weshalb sie sich so sicher war, dass der ausgewählte Ort der richtige war, um sich vor der Göttin zu beweisen und ihre Gunst zu erhaschen, wusste sie nicht. Doch der zögerliche Griff an das Äußere ihrer Tasche verdeutliche ihren Glauben daran. Sollte es auch nur ein Gefühl sein, doch fortan würde sie diese Gegenstände hüten. Sie würden ihr helfen, den Weg durch das verworrene Spinnennetz zu finden.

Der Schatten entfloh der in Dunkelheit gehüllten Grenze zum Elfenland und schließlich auch dem Herzogtum.
Während ein neuer Tag anbrach, bereit das freudige Treiben der Bewohner des Landes mit dem Licht der Sonne zu begrüßen.


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