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 Betreff des Beitrags: Schattenspiel – Lloths Gabe -V-
BeitragVerfasst: Mi 11. Mär 2009, 20:45 
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Registriert: Sa 7. Feb 2009, 20:38
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Ein Rascheln und Knirschen begleitete die ersten zaghaften Schritte Petes. Durch die Stille war er gezwungen, seinem eigenen aufgeregten Atem und dem hämmernden Herz zu lauschen.
„Was geht hier vor sich?“, dachte er bei sich.
„Ben?!“, rief er zittrig in den Wald hinein. Seine Stimme verhallte in den Tiefen der Dunkelheit.
„Hatten die hohen Herren nicht erst vor einigen Tagen eine Frau festgenommen? Wie hatte sie noch einmal ausgesehen? Südländisch?“.
Seine Gedanken zerlöcherten seinen zuvor noch vom Alkohol benebelten Geist wie Pfeilgeschosse. Das Adrenalin schoss ihm durchs Blut und jede Faser seines Körpers war angespannt.

Wieder das Wispern.
Er hielt den Atem an um genauer zu hören.
Es wiederholte sich nicht.
Hektisch richtete er seine Blicke zur Linken und zur Rechten.
Die Angst gewann allmählich gegen sein halbherziges männliches Ego. Abschätzend schaute er zurück. Die Hauptstraße war aus der Ferne noch dunkel zu erahnen. Sie durfte nicht weit entfernt sein.
Ein kurzes Aufflammen seines Stolzes trieb ihn dazu noch einmal nach seinem Kameraden zu rufen:
„BEN!“

....

„Alles klar. Ich bin weg!“, flüsterte er eilig – da wurden ihm die Füße vom Boden gerissen und er verlor sämtlichen Halt, den er in seinem Zustand noch hatte.
Stöhnend landete er mit seinem Gesicht auf dem schneebedeckten, kühlen Boden. Er brauchte ein paar Sekunden, um zu begreifen, was passiert war. Er schaute sich hektisch atmend um.

Nichts.

Er versuchte sich aufzurichten, da spürte er den Schmerz knapp oberhalb seiner Ferse, begleitet von einem Knall. Er knickte zur Seite um und sah im Sturz noch etwas dunkles aus den Augenwinkeln an sich vorbeihuschen. Sein Blick wanderte an sich hinab und er sah das Blut, welches sich von seiner Achillessehne ausbreitete. Mit schmerzverzerrten Zügen und einem ängstlichen Ausdruck im Gesicht suchte er nach dem Grund dafür. Tränenflüssigkeit sammelte sich auf seinen Augen und seine Sicht verschwamm. Sein Atem überschlug sich, während regelrechte Panik in ihm aufstieg.

„Hast du Spaß?“, wurde in sein Ohr gesäuselt. Ruckartig riss er seinen Kopf zur Seite und ihm strahlte das gleiche damenhafte Lächeln entgegen, welches er ungefähr vor einem halben Stundenlauf erblicken konnte. Das ganze war zu bizarr. Er konnte es nicht begreifen. Was passierte hier?
Dieses wunderschöne Wesen wirkte so harmlos. Selbst jetzt war sie noch atemberaubend.
Gedankenverworren schaute er ihr in die eisigen, strahlend blauen Augen.

„Wer...wer bist du?“
„Nicht wer ich bin, ist wichtig, sondern was ich tue.“, erwiderte ihre betörende, sanfte Stimme.
Sie bewegte ihren zuvor noch hinterm Rücken verborgenen Arm zwischen sich und Pete. Seine Augen weiteten sich panisch und er war wie gelähmt vor Angst als er den Gegenstand in ihrer filigranen Hand erkannte.
Er wollte aufschnellen und nur noch rennen – da sah er hinter der Frau eine weitere Gestalt mit dem Rücken an einen Baum gelehnt sitzen.

„BEN!“

Ein Gurgeln zerschnitt seinen Ausruf.

...

Er hatte ihn warnen wollen.
Verdammt.
Er war sein Freund.
Verdammt!
Dieses Miststück!
Sie ließ ihn mit ansehen wie sie seinem einzig wahren Freund das Leben nahm!
Ben war gezwungen, das Geschehen teilnahmslos mit seinen eigenen Augen zu verfolgen.
Und er begriff es nicht. Es war zu unmenschlich, als das er es mit seinen Sinnen und seinem Geist hätte verarbeiten können...während das Monster seinem Freund die Kehle mit einem silbrigen Dolch durchschnitt. An der schwarzen Klinge, welche mit weißsilbrigen Fäden durchzogen war, haftete nun das Blut Petes.

„Du dreckiges Teufelsweib!“, wollte er sie anbrüllen, doch die Worte sprach er nur in Gedanken. Das taube Gefühl in Zunge und Gliedern hatte noch immer nicht nachgelassen.

„Ein wahres Schauspiel, nicht wahr, Rivvil?“, ihre Miene wurde hart und emotionslos. Die Schönheit wich nicht, doch verzerrte die ungewöhnliche Härte das Bild bizarr.
„Und du sitzt in der ersten Reihe, Liebling. Dank dieses wundervollen...Liebestrunks. Ein Gaumenschmaus, nicht wahr?“

Der Trank!
Sie hatte ihm das Gesöff als betörendes Mittelchen angedreht, welches sie nur zu gerne für ihre heißblütigen Liebesspiele verwendete. Jeder hatte an einem Flakon genippt.
Sie musste in seines irgendein teuflisches Gift gegeben haben.
„Und du notgeiler Hund bist auf das Drecksweib hereingefallen!“, schimpfte er in Gedanken.

Sie machte einen unmenschlich eleganten Schritt auf ihn zu, während er wehrlos am Boden zu ihr aufblickte.
Die Wut wich einem anderen Gefühl.
Er begann den Ernst seiner Lage zu begreifen.
Und pure Angst übernahm seine Gedanken. Bens Augen blickten hektisch hilfesuchend umher und wichen jedem der kühlen, abstoßenden Blicke der Frau aus. Sie war kein Mensch. Sie war keine Südländerin, fassten seine panischen Gedanken den letzten klaren Entschluss.
Und noch ehe er diesen Gedankengang zuende bringen konnte, beugte sie sich zu ihm herab und ihm stockte der Atem.

„Bwael, Jaluk. Ich denke ihr wisst nun was geschieht, wenn ihr an einem Geschöpf Lloths Hand anzulegen versucht. Natürlich nützt euch diese weise Erkenntnis nun auch nicht mehr viel. Ihr hättet zu eurem Weib nach Hause gehen können. Ihr seid nichts als ein unwichtiger Wurm für mich. Doch ihr wolltet es nicht anders...“, sprach sie hauchender Weise in einem merkwürdig erotischem Ton in sein Ohr.

Mit einer ruhigen, sensiblen Handbewegung griff sie nach seinem behaarten Handgelenk und zog seine Hand daran auf Augenhöhe zwischen die Blicke der beiden. Ihre andere Hand führte den Knauf des Dolches in die seine und drückte seine Finger mit einer Zartheit, welche zu dieser Situation absolut nicht passte, zu einer den Griff umschließenden Faust zusammen.

„Tadle dich und deine Taten selbst, Jaluk. So wirst du der Spinnenkönigin vielleicht sogar Freude bereiten, während sie deine Seele quält.“, sprach sie und führte seine Hand mit der Klingenspitze voran an die Unterseite seiner linken Brust.
Sein Atem raste und er blickte der Drow flehend, angstverzerrt entgegen.
Diese aber hielt seinem Blick stand, während ein fast fürsorgliches Lächeln ihre feingeschnittenen Lippen umspielte.
In fließender Bewegung stieß sie die Klinge in quälend langsamer Bewegung in das Herz des Mannes.

Er wollte schreien – doch er konnte nicht. Die Lähmung hielt ihn davon ab. Sein Geist war für diese Art der Schmerzen nicht geschaffen und er hätte ihn hinausschreien müssen. Doch er konnte nicht.
Und so brachen jegliche Gefühlswelten, sein Intellekt und seine Gedanken zusammen, der Welle der Unmenschlichkeit nicht standhalten könnend. Der Mensch ließ sein Leben und all die Wärme wich aus ihm.

Seine entschwindende Seele wurde von den dunklen Worten einer weiblich melodischen Stimme begleitet.


„Plynn nindol quortek, ussta valsharess.
Lu' ja'hai nindol or'shanse.”

Die zarte Gestalt der Orn’tlu’Yathrin richtete sich geschwind auf und zog den Leichnam des Mannes zu seinem toten Freund, ehe sie begann notdürftig Schnee und Erde auf den beiden Körpern zu verteilen.
Als lediglich einige blutige Stellen im Schnee noch das Werk zu Ehren ihrer Göttin – auch wenn es nur notgedrungen vollbracht worden war – verrieten, wendete Yizzrin sich um und eilte davon, das grüne Cape enger um ihren Körper ziehend.


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