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 Betreff des Beitrags: Fühlen.
BeitragVerfasst: Di 10. Feb 2009, 12:19 
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Registriert: Sa 7. Feb 2009, 20:38
Beiträge: 12
Die dunkle Gestalt kniete vor dem nachtschwarzen Altar.
Von ihm ging eine pulsierende Kraft aus, welche sich wabernd über die gesamte Satellitenstadt ausbreitete und alles in seine trügerischen Arme nahm.
Nicht jeder vermochte es, dies zu spüren. Diese magnetische Aura. Wie Spinnenfäden, so filigran und einem Wunder gleich anzusehen und doch so gefährlich.
Manch niederes Wesen konnte es einfach nicht spüren. Sollte sich einer dieser unter den Ilythiiri befinden, so würde er alles daran setzen, wenigstens nach außen zu zeigen, dass er zumindest daran glaubte. An die Kraft ... und an Sie.

Links von der Gestalt vorm Altar befand sich ein leeres Lehmbehältnis. In der rechten, zartgliedrigen Hand blitzte der saubere Dolch im Kerzenschein auf.
Schweratmend wurde der Kopf nach oben bewegt und der Blick richtete sich auf die kunstvollen Verzierungen am Altar.
Es war Zeit, den nächsten Schritt zu gehen.
Ihre Bindung zur Göttin sollte gestärkt werden.

Yizzrin ließ den Blick ihrer eisblauen Augen über die scharfkantige Waffe gleiten.
Sie hatte den Keeshe mit seinem runenverzierten Griff die letzten drei Nächte hier im Tempel Lloths untergebracht. In einer Mauernische hinter dem Altar sorgfältig versteckt.
Die Waffe offen herumliegen zu lassen, wäre leichtsinnig gewesen. Zu leicht hätte ein Rivale sich daran vergreifen und die Klinge mit einem Gift präparieren können.
Doch war es notwendig, dass die Klinge sich die Kraft, welche vom Tempel und dem Altar ausging zu eigen machte.
Schimmerte die Schneide einige Tage zuvor noch silbrig glänzend, so wies sie nun an der einen oder anderen Stelle dunkle Fäden im Metall auf.

Sachte hob sie den Keeshe an und fuhr sich zunächst mit der Breitkante der Klinge über ihre dunkle, verlockend zarte Haut. Die feinen, nahezu durchsichtigen Haare auf ihrem Unterarm und Nacken stellten sich in Vorfreude erregt auf.
Sie richtete ihr Gesicht schräg zur Tempeldecke auf. Die mandelförmigen Augen schlossen sich, vom schweren Atem begleitet.
Ihr wohlgeformter Brustkorb hob und senkte sich. Bis er schließlich inne hielt. Ein Moment der Stille.
Eine Minute.
Zwei Minuten.
Ein weit entferntes Dröhnen drang in Yizzrins Kopf ein.
Ihre Augenlider begannen zu zucken. Doch sie widerstand dem Drang, sie zu öffnen.
Das Dröhnen nahm zu. Die Stille ward verdrängt. Und der pulsierende Schmerz mit seinem dumpfen, brummenden Geräusch in ihrem Kopf nahm Überhand.
Wie von selbst führte ihre rechte Hand die Bewegung aus, welche die Klinge mit der scharfkantigen Seite entgegen ihrem ausgestreckten Unterarm wendete.

Schließlich stahl sich ein Lächeln auf ihre feingeschnittenen Lippen.
Und die Klinge wurde über die bisher unversehrte Haut gezogen.
Ihr Atem setzte wieder ein und die Lunge füllte sich gierig mit Sauerstoff. Sog die von der Kraft des Altars getränkte Luft in sich auf.
Ein schepperndes, klirrendes Geräusch durchbrach den monotonen Rhythmus ihres Atems.
Yizzrin blickte zu Boden. Sie hatte die Waffe fallen gelassen.
Sofort nahm sie den Lehmbecher zur Hand und lies ihren dunkelroten Lebenssaft in das Behältnis tropfen.

Als sich genug darin angesammelt hatte, stellte sie ihn für einen Moment zur Seite und presste die freie Hand auf die schlitzartige Wunde des Unterarms.
Als das Blut zu gerinnen begann, nahm sie die Phiole, welche sich nebst des Altars befand. Die Flüssigkeit darin war in starker Verbindung zum Altar und ihrer Göttin.
Mit dem gleichen Lächeln wie zuvor goss sie einen Teil der dunklen Masse in ihren Lehmbecher.

Mit einem letzten tiefen Atemzug führte sie das Behältnis mit dem Gemisch an ihre Lippen.
Die Augen schlossen sich zitternd. Das Gefühl der Erregung überkam sie abermals und ihre Knospen stellten sich auf.
Mit einem Ruck lies sie die Mixtur ihren Rachen hinunterrinnen.
Ein Zucken überkam ihren gesamten Körper wie eine Welle des Schmerzes. Der Schmerz verebbte jedoch in sekundenschnelle und ein taubes Gefühl wurde hinterlassen.

Sie fühlte sie...die Nähe.

In diesem tranceartigen Zustand verblieb sie noch einige Stunden an diesem heiligen Ort.
Und der Raum wurde mit geflüsterten Gebeten zu ihrer Göttin erfüllt.

Sie fühlte sie...Lloth.


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